atelier rainer dunkel


Rainer Dunkel: 1983 diplomierter Studiumabschluss der visuellen Kommunikation/ Fachrichtung Kunst und Design an der Folkwang-Fachhochschule Essen.


M
ein gestalterischer Weg als Selbstdarstellung:
...was ich schon getanzt habe, kann mir niemand mehr nehmen. (spanisches Sprichwort)

"Gestaltetes Objekt ist für mich ein entworfenes Verhältnis zu multiplen Vielschichtigkeiten von authentischer Gegenwart, die sich in differenzierten sensuellen Ebenen und deren, auf einander bezogenen Beziehungen, konstituiert. Deshalb ist Raumobjekt nur ein Verhältnis zwischen multiplen Dimensionen des physikalischen Materials und Raumes, und Komponenten sensueller Erfahrungen der organisch-erlebbaren Situation. Das bedeutet, daß ich meinen Umgang mit Objekten im Raum nur als eine sequenzielle Ebene zwischen unformulierten Raummöglichkeiten und sensuellen Schichten konzipiere. Objekt manifestiert keine objektive Statik, sondern ist transzendierende Position für Projektionen erweiternder, sensueller Dimensionen in einem nicht idealisierten Raum der gegenwärtigen Authentizität. Rezipient, Körper und biologischen Organismus habe ich in meinen letzteren Arbeiten immer mehr zum interaktiven Bezugspunkt zwischen Material, Form und audiovisueller Projektionen thematisiert."


1988: experimentelle live Performance: Violoncello, Flöte und Malerei. Improvisation an der Probebühne der Folkwang Hochschulen Essen-Werden

1989 von der Illustration zu Material, Konstruktion und Raum - erste bildnerische Arbeiten: "formgrenzungen - visionäre konstruktionen" - 8 dreidimensionale Tafelbilder gegen diktatorische Grenz-Systeme nach einer Inspiration der science fiction Erzählung "Fluchtversuche" der russischen Autoren Boris und Arkadi Strugatzki. (Hommage an Andrej Tarkowskij)

Seit 1990 bildnerisches und räumliches Gestalten in interdisziplinären Kontexten:
Meine gestalterischen Arbeiten formuliere ich im Kontext konstruktivistischer Abstraktion:
„Von der gedanklichen Dynamik zur Komplexität des sensuellen Empfindens, zur sensuellen Interaktion, zur organischen Abstraktion.“

Konstruktivistische Objekte sind abstrakte Medien zwischen der Authentizität des Umgebungsraums und sensuellem Empfindungssraum.
Die Raumobjekte entwerfen sensible Projektionsebenen für sensuelle Ereignisse als konstruierte Abstraktion. Meine konzeptuellen Entwürfe sind beeinflusst von buddhistischer Philosophie und Praxis, die geistige Manifestationen in Beziehung setzt zu einer ursprünglichen, offenen und unbegrenzten Natur des Geistes. Ich benutze Abstraktionen der Raumobjekte, die sich strukturell auf authentischen Umgebungsraum beziehen, in der Position eines Zwischenraumes, der unformulierten Möglichkeitsraum eröffnet.
„Realen Umgebungsraumes verwende ich als Impuls, um projektive Ebenen zwischen äußeren- materiellen und inneren- sensuellen Parametern zu konstruieren.
Meine gestalterische Intentionen sind beeinflusst von der russischen Avantgarde: Authentischer Gegenwartsraum wird als freier Geistes- und Projektionsraum mit in das gestalterische Konzept der Objekte einbezogen.

1991 entstanden erste synästhetische Zeichnungen, dann Malerei und plastische Objekte zu Musik-Kompositionen NEUEr MUSIK: "Klangformen - Klangräume" Malerei und plastische Bildflächen zu Kompositionen von John Cage, wurden 1991 auf dem KLANGZEIT-ZEITKLANG - Symposium Wuppertal zusammen mit den Zeichnungen "synästhetische Visualisierungen zu Klavier-Kompositionen von J.Cage und K.H.Stockhausen“, als Beitrag der Wuppertaler Podiumsdiskussionen und Bauhütte- Arbeitswochen ausgestellt.

Meine abstrakten Raum-Objekte in diesem Kontext reflektieren eine organisch-sensible Raumauffassung, die ich in symbiotischen Überlagerungen von KlangFläche und Raumkonstruktion formuliere. Die aufgespannten Gewebe sind sensible Projektionsflächen als organischer Moment einer räumlichen Klang-Konstruktion.

Die darauf folgenden räumlichen Konstruktionen konzipierte ich nicht als „autonom“ in formalen Raumstrukturen, vielmehr liegen meiner gestalterischen Vorstellung die Intention zu Grunde, abstrakte Objekte im authentischen Kontext der Umgebungsräume zu thematisieren: „In dem Projekt „parochial“ ging es mir aber nicht darum, nur die urban geprägte Architektur der Kirche zu reflektieren, sondern durch den Transport der vorhandenen abstrakt-geometrischen Inhalte des Ortes auf die geistigen Bewegungsräume hinzuweisen, aus denen diese Architektur entworfen wurde, die vorhandenen Raum-Begrenzungen zu durchdringen, und die Unbegrenztheit als dynamisch, menschlichen Bewegungsraum in das gegenwärtige „Jetzt“ zu transzendieren.

Meine Entwürfe sind beeinflußt von der "Russischen Avantgarde", den Raum-Zeit-Konzepten der "Kubisten" und von der architektonischen Ideen des "organischen Bauens" von Hans Sharoun.
Euklidische Raumgeometrie ist keine statisch-determinierte Regel, sondern beinhaltet demokratisches Potenzial eines sozial-dynamischen, organischen Raumes.
In diesem Kontext verstehe ich die Abstraktion meiner Objekte als adaptiv-sensible Ebene oder auch räumliche Membranen, die zwischen der Authentizität der Gegenwart und sensuellen Projektionen vermitteln.


1998 entstanden Materialdurchdringungen mit dem Werkstoff Metall: "FIXATIONEN". In der Auseinandersetzung mit der Materialität von Eisen und Stahl suchte ich Transformierungen und Durchdringungen die ich schmiedetechnisch in einem Dialog zwischen der Materialhärte und meinen körperlichen Kraftaufwendungen als sensible organische Strukturen sichtbar gemacht habe. Die Klangeigenschaften der 4 Metallobjekte transzendieren materielle und tonal-organische Aspekte auf einer audiellen Ebene. Der elektroakustische Toncharakter legt Vergleiche mit Glockenklängen nahe. Der 1. konzeptionelle Impuls zur Entstehung dieser Arbeit war jedoch die Betrachtung unterschiedlicher atomarer Gitter in einem Vergleich: Die chaotische, atomare Gitterordnung von Glas schwingt in Wellenlängen von Licht synchron und wird dadurch transparent. Diese atomare "chaotische Unordnung" steht im Gegensatz zu starr geordneten atomaren Gittern von Metall, das lichtundurchlässig ist. Weitere Inspiration für den gestalterischen Impuls dieser Arbeit war für mich eine Beschreibung aus der Physik: Es gibt im Universum physikalische Zuständen zwischen Licht und fester Materie, die in der sogenannten Paulsfalle nachgewiesen werden können. Die 4 geschmiedeten Objekte und deren sensorisch- elektroakustische Tonbearbeitungen sind nun Basis der Ton-Licht-Objekt-Installation: "INSIDE THE BELL"

Im Schwerpunkt meiner bildnerischen Arbeiten interessierten mich seit 1990 kompositorisch-interdisziplinäre Aspekte Neuer Musik, die sensuelle Impuls für meine Zeichnungen zu Musikkompositionen von John Cage und Giacinto Scelsi waren. Aus diesen gestalterischen Erfahrungen heraus entstanden die experimentell-avantgardistische Konzepte für interdisziplinäre Projekte mit Komponisten der "Neuen Musik" wie Klangsegel mit dem Komponisten Johannes Wallmann(1992), parochial mit dem Komponisten Christian Kesten & Maulwerker(1997), entfaltung mit dem Komponisten Thomas Gerwin(2002).
In den projekt- und ortsbezogenen Spannungsfeldern interessierte mich in meiner Aufgabe der bildnerischen Position die multisensuelle Gestaltung von Beziehungen zwischen Rezipient, bildnerischen Objekten und musikalischer Komposition im Raum.

In dem Projekt s.k.: e.r. „sensuelle kunst : erweiternder raum“ (2000) wird der Betrachter in seiner situativen Authentizität als organischer Bestandteil und Mittelpunkt des Kunstwerkes miteinbezogen. Im Dialog zwischen Kunstobjekt und Rezipient wird Interaktion zum Auslöser organischer, flexibler Dynamiken: abstraktes Raumobjekt ist Raum-Bedingung, in der sich multi-sensuelles Empfinden erweiternd gestalten kann.
Für dieses Projekt realisierte ich mit technischer Unterstützung des elektronischen Studios der adk-Berlin ein 1. sensorisch-interaktives System, das auf physikalische Bewegungen mit Impulsen für 8-kanaligen Tonspuren reagiert.


Beeinflußt von neurowissenschaftlichen Erkenntnissen über neurozelluläre Wahrnehmungsprozesse, ist mein konzeptionelles Anliegen seit 2002, neurorezeptorische Sensorik, auf der Grundlage neurobiologischer Erkenntnisse, für interaktive Installationen zu thematisieren.


2004 realisierte ich in interdisziplinärer Kooperation mit der Schriftstellerin Liesl Ujvary und Neurowissenschaftlern des Max-Delbrück-Zentrums für molekulare Medizin Berlin-Buch die sensorische Rauminstallation "sensuelle räume: membrane als vermittler". Inhaltlicher Focus ist in diesem Projekt die neurozelluläre Kommunikation des Gehirns, die ich in meiner bildnerisch, abstrakten Konstruktion als Analogie, und dem interdisziplinären Beitrag elektroakustischer Sprach-sequenzen von Liesl Ujvary, über interaktive Berührungen am sensorischen Objekt thematisiert habe. Impuls für den Entwurf der taktilen Sensorik in diesem Projekt war mein Interesse für zellbiologische Aspekte in der Wahrnehmung, wie in dem Buch „Auge und Gehirn von David H. Hubel“ beschrieben, als auch meine Erklärungssuche für synästhetische Prozesse. So hatte mich schon in dem Projekt s.k.:e.r. zuvor insbesondere die plastische Begabung von Blinden interessiert, die über sensibilisiertes Fingerempfinden die fehlende visuelle Wahrnehmung des Umgebungsraumes teilweise adaptiv kompensieren können. Plastizität der Neuronen ermöglicht Blinden ein taktil -erweitertes Empfinden. Auch in diesem Kontext habe ich 2004 in meinem Raumobjekt sensible, taktile Berührungsaspekte für eine Analogie zu neurozellulärer Kommunikation, als sensorische Attraktoren verwendet. .

Seitdem bezieht sich mein gestalterischer Schwerpunkt auf, von mir entworfene, "sensorische Interaktionen", mit angewandten Projekten in interdisziplinären Kontexten der neurozellulären Wissenschaft. 2009 entstand in Zusammenarbeit mit Dr. Marc Timme die Installation - - - sensory dynamics - - - . Im Konsens nichtlinearer Dynamiken, war diese Installation ein interdisziplinärer Beitrag anlässlich der internationalen Wissenschaftskonferenz - dynamics days europe 2009- im Max-Planck-Institut für nichtlineare Dynamik und Selbstorganisation Göttingen.

Aus Erkenntnissen neurobiologischer Beobachtungen einzelner Neuronen, deren kommunikativen Verbindungen mit differenzierten Verarbeitungsarealen und deren Organisation, neurozellulärer Dynamiken und dem auslesbaren Verhalten komplexer Netzwerkzusammenhänge, können unsere Vorstellungen über zwischenmenschliche Interaktionen als auch den Beziehungen zur Mit- und Umgebungswelt neu erklärt werden. Wirklichkeitsempfinden wird aus neurobiologischer Sicht heraus neuroorganisch generiert (Autopoesis/ Humberto Maturana). Die neurowissenschaftliche Deduktion im Detail eröffnet neue Perspektiven für neue Formulierungen über Wahrnehmung und Kognition. Hoffnungsvoll im neurobiologischen Konsens sind besonders solche neurowissenschaftlichen Erkenntnisse über neurozelluläre Plastizität, die sensorische Adaptionen als biologische Fähigkeit für neurophysiologische Regenerationsprozesse wissenschaftlich erhellen.


Meine aktuelle Projektarbeit seit 2011 entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Neurowissenschaftlern und thematisiert sensorische Interaktionen mit einer neurozellulären Simulation von Neuronennetzwerken. Raumkonstruktion ist sensibler Empfänger und abstraktes Modul für sensorische Impulse an simulierte, Neuronen-Netzwerkinstanzen, und wird über die Aktivität der Rezipienten zum interaktiven Faktor für Parameter neurozellulärer Aktionspotentiale. Audiovisuell-induktive Interaktionen eröffnen deduktive Perspektiven für das sensorielle Korrelat eines authentischen simulierten Neuroorganismus. Mein konstruktivistisches Modul versucht eine abstrakte Deduktion als Raumarchitektur, die sich zwischen distal- gegenständlicher Konstruktion und neurobiologischer Sensibilität konstituiert.

In Zusammenarbeit mit Neurowissenschaftlern des "Bernstein-Center Freiburg" entstand 2011 das beschriebene Projekt: "sensory neuronal network". Neu interaktives Erlebnisfeld der Installation ist die sensible Konfrontation eigener sensorischer Impulse mit der Audiovisualisierung neuronaler Interaktionen eines rezeptiven Neuronennetzwerkes. Die audiovisuellen Induktionen sind sequenzielle Gestaltung auf multiplen Ebenen, die die Authentizität des Umgebungsraums miteinbezieht.
Das Objekt ist Abstraktion einer Wahrnehmungsoberfläche, die einen Blickwinkel in die neurobiologische Innenwelt konstruiert. Das Medium eröffnet abstrakte Berührungsmomente mit dem neurobiologischen Organismus. So wie jedes Bild, jedes Objekt bzw. jedes Kunstwerk den Versuch unternimmt, einen Dialog mit dem Betrachter herzustellen und Botschaften innerer Zustände zu transportieren, so eröffnet die gegenständliche Abstraktion neurobiologischen Dialog mit dem synthetischen Zustand einer neuroorganischen Innenwelt. Denn Möglichkeit ist es, in der Simulation zellulärer Dynamiken und Aktivitätsmuster des biologischen Neuroorganismus zu erfahren, und über eigene perzeptuelle Interaktionen zu reflektieren. Das abstrakt-kubistische Raumobjekt ist sowohl rezeptorisches Modul als auch Projektionsfläche der simulierten Neuronenaktivität. Die formale Abstraktion thematisiert einen Entwurf: Von Raum-Fläche-Linie zu Punkt ist sensorische Deduktion zu den kleinsten, neuroorganischen Zellen und deren Bindungen. In den Durchdringungen zwischen sensorischer Aktivität des Betrachters, dem Raumobjekt und der Spikeaktivität des neurozellulären Netzwerkes generiert die Installation sensory neuronal network sequenzielle Dynamiken eines räumlich, mehrschichtigen Interaktionskorrelats. Zwischen der Implementierung des simulierten Netzwerkorganismus, Objekt, Raum und Betrachter interagiert eine "generative Konstruktion" auf multiplen audiovisuellen Raumebenen.

In den Korrelaten der sensoriellen Überlagerungen projiziert das Kunstobjekt über die gegenständlich, differenzierte Eigenbegrenzung hinaus. Die sequenzielle Gestaltung entwirft auf multisensuellen Ebenen neurozelluläre Authentizität.

Ausstellungen der Installation „sensory neuronal network“:
2011 bc11, Bernstein Conference of Computational Neuroscience, Freiburg
2014 Projektraum der Galerie Meinblau, Berlin
2015 Galerie Herold, Bremen